Kurzer Überblick über die Geschichte der slowakischen Roma

 

Früher waren sie bekannt als Gypsy, Zigeuner, Gitanos, Manouch oder Bohemiens, heute ist ihr offizieller internationaler Name Roma. Mit dieser Benennung sind keinerlei negative Vorurteile zu assoziieren. Im deutschsprachigen Raum sind die Sinti vorzufinden, die am längsten hier lebende Romagruppe. 

Die Roma haben keine allgemein gültige Schrift. Sprache, Geschichte, Kultur und Traditionen sind nur mündlich überliefert. Daher sind die modernen Forschungen und Dokumentationen über die Roma vor allem von Nicht-Roma geschrieben worden.

Ursprünglich stammen die Roma aus Nordwest-Indien. Zwischen dem 4. und dem 5. Jahrhundert wanderten sie aus ihrer ursprünglichen Heimat aus. Über Persien, Armenien und Kleinasien gelangten sie schliesslich nach Europa, wo man in einem Dokument von 1322 erstmals Berichte über sie findet.  In den folgenden Jahrhunderten waren die Roma in Mittel- und Osteuropa als Musiker und wegen ihren Fähigkeiten im Bereich der Metallbearbeitung beliebt. Erst im Zeitalter der Aufklärung veränderte sich die Einstellung der Bevölkerung und die Roma litten oft unter Verfolgung. Unter der Kaiserin Maria-Theresia im 18. Jahrhundert nahm die Verfolgung ein Ende. Es wurde versucht, die Roma sesshaft zu machen und zu assimilieren. Ihre Sprache sowie ihre traditionelle Tracht, ebenso Ehen zwischen Roma waren verboten und Romakinder wurden oft in Nicht-Roma-Familien untergebracht. Die getroffenen Massnahmen führten nicht zum gewünschten „Erfolg“, aber immerhin war die Folge davon, dass es im 19. Jahrhundert, also rund hundert Jahre später, auf dem Gebiet der heutigen Slowakei, Ungarn und Tschechien vorwiegend sesshafte Roma gab.

Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts ging es den Roma in Osteuropa relativ gut. Sie waren beliebt für Gelegenheitsarbeiten oder als selbstständige Handwerker. Viele waren damals als Schmiede, Korbflechter, Messerschärfer, Besenhersteller usw. tätig. Zusätzlich stellte die Musik für manche eine weitere Einkommensquelle dar, indem sie an diversen Festen als Roma-Kapellen auftraten. In der Zwischenkriegszeit erschwerte sich das Leben der Roma, da mit der industriellen Entwicklung der Absatz ihrer Erzeugnisse schwierig wurde. Die Arbeitslosigkeit nahm zu und so hatten nur wenige die Möglichkeit, auf legale Art genügend Geld zu verdienen. Auch war es zu dieser Zeit verbreitet, dass Kinder von Roma-Familien auf Verordnung der Behörden ihren Familien entrissen und in Erziehungsanstalten platziert wurden.

Während des zweiten Weltkrieges wurde die Hälfte der gesamten europäischen Romabevölkerung umgebracht. Viele Sinti und Roma wurden in Konzentrationslagern zu Opfern von medizinischen Menschenversuchen.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die offizielle Diskriminierung aufgehoben und somit waren die Chancen für die Roma gross, sich in die Gesellschaft einzugliedern. Doch es fand fast keine Integration oder wesentliche Verbesserung der Lage statt.

Unter dem kommunistischen Regime war die Assimilierung der Roma ein erklärtes Ziel. Die Politik der damaligen Tschechoslowakei erwartete, dass sich mit der Assimilierung und somit der Übernahme der Normen der Restbevölkerung die gesellschaftliche Situation der Roma verbessern würde. Doch die Assimilierung schlug fehl und nur den wenigsten gelang ein sozialer Aufstieg. Jene, die einen sozialen Aufstieg erreichten, bezeichneten sich zukünftig nicht mehr als Roma und distanzierten sich von ihrer Herkunftsfamilie. Durch den Kommunismus, der allen Roma Arbeit gab und sie finanziell unterstützte, wurden viele Roma vom Staat abhängig und passiv.

Nach dem Ende des kommunistischen Regimes waren die Roma die Ersten, die ihre Arbeit und somit ihre finanzielle Sicherheit verloren. Diskriminierung und Vorurteile nahmen zu und viele fielen auf den Entwicklungsstand von vor Jahrzehnten zurück.

(Dr. Andreas Petrin)