Die Situation der Roma in der Slowakei

Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes trennte sich die Tschechoslowakei in zwei unabhängige Staaten.  Am  17. Juli 1992 verkündete die Slowakische Republik ihre Unabhängigkeit von Tschechien und am 1.Januar 1993 wurde die Slowakische Republik gegründet. Die Slowakei ist ein demokratischer Staat mit Gewaltentrennung zwischen Exekutive, Legislative und Judikative. Seit dem 1.Mai 2004 ist die Slowakei Mitglied der EU.


Wirtschaftliche Situation

Bedeutende Wirtschaftsbereiche der Slowakei sind Metallproduktion, Verkehrsmittel, Lebensmittel, Erdölprodukte, Brennstoffe, Elektrotechnik, Maschinenbau und Chemie. Das Lohnniveau ist sehr gering und die Slowakei hat eine sehr hohe Arbeitslosigkeit, was zu einer massiven Verschlechterung der Lebensbedingung von weiten Bevölkerungsschichten führt.  Die Arbeitslosigkeit in der Slowakei beläuft sich auf rund 13.5%, ist jedoch im Osten der Slowakei deutlich höher.  Allgemein stellt  das West-Ost-Gefälle ein grosses Problem dar. Die Unterschiede zwischen dem armen Osten und dem eher modernen Westen sind gross. Ausländische Investoren, die bisher vor allem am Grossraum Bratislava interessiert waren, investieren jetzt vermehrt im Osten, da hier die Löhne deutlich niedriger sind. So erhofft man sich eine Milderung dieser Unterschiede.


Situation der Roma nach der Wende 

Nach den demokratischen Umwälzungen im Jahr 1989 waren die Roma die ersten, die mit dem Untergang des kommunistischen Regimes ihre Arbeitsplätze verloren. Mit der Wahl von Vladimir Meciar und seiner Partei von der „Bewegung für eine slowakische Slowakei“ verschlechterte sich die Situation zusätzlich. Die Roma wurden oft zu Sündenböcken für gesellschaftliche Missstände abgestempelt und durch die populistische Politik gegen die Roma wurden Vorurteile geschürt. Verschiedene Lokalbehörden forderten die Roma regelmässig auf, das Land zu verlassen. Rassistisch motivierte Gewalttaten nahmen drastisch zu. 


Heutige Situation 

In der Slowakei leben schätzungsweise 520‘000 Roma, offiziell ist die Zahl sehr viel kleiner, da sich die meisten nicht offiziell als Roma registrieren lassen wollen. Die Slowakei ist jedoch das Land mit dem prozentual höchsten Roma-Anteil der Welt. Die Geburtenrate der Roma ist fast dreimal so hoch wie die der slowakischen Bevölkerung, sie liegt bei  4.2 Geburten pro Frau. Die Lebenserwartung der Roma in der Slowakei, verglichen mit sonstigen europäischen Verhältnissen, ist sehr tief. Bei den Männern liegt diese bei 55, bei den Frauen bei 59 Jahren. Dies liegt an den schwierigen Lebensbedingungen in den Romasiedlungen, Mangelernährung und schlechter Hygiene. Unter den Roma sind bis zu 98% arbeitslos, sie sind auf Sozialhilfe angewiesen. Diese beträgt pro Person 100 Euro im Monat. Zusätzlich bekommen sie Kinderzulagen. Die Verarmung hat in den letzten Jahren drastisch zugenommen. In der Slowakei werden die Roma täglich mit Rassismus und Diskriminierung konfrontiert. Durch ihre dunkle Hautfarbe fallen sie in der sonst eher helleren slowakischen Bevölkerung auf.  Von der Mehrheitsbevölkerung werden sie als Fremde wahrgenommen und mit viel Misstrauen behandelt.  Aber auch die Roma betrachten die „Weissen“ mit grosser Skepsis. So gibt es kaum Kontakt zwischen den beiden Volksgruppen, es hat sich eine unsichtbare Mauer gebildet. Die grosse Diskriminierung zeigt sich vor allem im Schulsystem und  bei der Arbeits- und Wohnungssuche. Viele slowakische Arbeitgeber stellen prinzipiell keine Roma ein. „Oft werde ich aufgrund meiner telefonischen Anfragen zu Bewerbungsgesprächen eingeladen. Doch sobald ich persönlich beim Arbeitsgeber erscheine, kriege ich die Antwort, dass die Stelle bereits vergeben sei“ berichtet Tibor, ein Rom aus Prešov (Heinichen, 2006, S. 40). Eine starke Anti-Roma-Haltung zeigt sich auch im Bildungssystem. Regional werden bis zu 100% der Roma-Kinder in Sonderschulen, Schulen für geistig behinderte oder ethnische getrennte Klassen geschickt. Slowakische Eltern wollen nicht, dass ihre Kinder Kontakt mit Roma- Kindern haben. 87 % der Slowaken wollen keine Roma als Nachbarn. Aufgrund dieser Diskriminierung und aufgrund der finanziellen Notlage der Roma sind vor allem in Osten der Slowakei riesige Ghettos entstanden. Die etwas besser gestellte Mittelschicht der Roma wohnt in heruntergekommenen Plattenbausiedlungen aus der kommunistischen Zeit. Sie wohnen in Zwei- bis Dreizimmerwohnungen als Grossfamilien mit mehreren Generationen.  Gut ein Drittel der Roma im Osten der Slowakei leben an Dorfrändern in vielfach illegal erbauten Siedlungen. Sie leben oft ohne Strom und ohne fliessendes Wasser. In weniger als 20 m² grossen Holzhütten teilen sich oft mehr als 10 Personen den einen Raum.